Change Management: Warum ich schon wieder fernstudiere

  • Fernstudieren macht glücklich. Ehrlich! Der ewige Student will ja keiner sein – klug, aber gescheitert. Das Lernen aus der Ferne ist meine Lösung. Familie, Job und Wissensdrill unter einem Hut. Nach einer Fortbildung im Social Media Management mache ich mich jetzt ans Change Management und die Organisationsentwicklung. Wie es dazu kam und was genau passiert…

Studium und erste Jobs

Bekanntlich lernt man nie aus. Gefühlt habe ich mein halbes Leben studiert. Dann war es gut mit der Studiererei, es soll ja auch mal was aus mir werden. Diese ganzen Bücher, merkt sich sowieso keiner. Alles unbrauchbare Druckwerk hab ich gnadenlos ausgemistet. Jahre im Kopiererblitzlicht zogen an mir vorbei. Fußnoten, diese verfluchten Fußnoten. Die Leserei habe ich auf meine Freizeit (hä, welche Freizeit) beschränkt. Dann gearbeitet. Juhu, arbeiten ist ja so toll. Endlich all das angesammelte Wissen in die Tat umsetzen, endlich etwas verändern, Dinge tun und besser machen.

Erez Attias via unsplash.com

Die Realität alltäglicher Geschäfte

Dann kam die Leere. Wo steht eigentlich, was er da sagt? Warum machen wir das nicht anders? Warum läuft es so oval? Wie kam denn diese Entscheidung zustande? Wo ist denn hier das Argument? Warum wird so viel Geld dafür ausgegeben? Was tu ich hier eigentlich? Das waren dann die schmerzlichen Jahre des Rückwegs in die Realität.

Fernstudium Klappe, die erste – Social Media Management

Irgendwas musste passieren und so entschied ich mich für ein erstes Fernstudium. Wie sonst sollten Job, Familie und der innere Drang nach Wissen und Orientierung zusammenkommen. Als Kommunikationsfuzzi entschied ich mich fürs Social Media Management. Und habe es bis heute nicht bereut. Im Gegenteil. Nur so habe ich mich an meinen druckstelle-blog gewagt. Es ist ja auch schwierig – ausgewiesener Profi in Sachen Kommunikation und dann soll ich zugeben, dass ich von den sozialen Medien nicht wirklich Ahnung habe. Das ging gar nicht. Ich fühlte mich alt (hey, ich bin jetzt Mitte 30!) und orchideenhaft. Der Fernlehrgang war super, die ‚Community‘ einzigartig. Ich habe viel gelernt, viel ausprobiert – kurzum: In Sachen Social Media habe ich meine professionelle Sicherheit gefunden. Privat war es dann noch eine Leidenschaft mehr (wohin nur mit all den Leidenschaften?).

Fernstudium Klappe, die zweite – Change Management

Die Euphorie der neuen Wissenswelten hielt so zwei Jahre an. Gut ja, Social Media ist noch nicht in allen Unternehmen wirklich anwendungsreif. Egal. Neuer Job, neues Themenfeld, neue Ansätze, neue Denkwelten. Hm. Genau. Alles prima. Ähm, aber wieso machen wir das nicht …? Mit tausend Ideen zum Bessermachen und Problemlösen ins Bett, morgens motiviert aus der Haustür, abends leer und ausgelaugt. Nichts besser gemacht, kein Problem gelöst. Aber wir könnten doch …? Schluss. Aus. Ende. Houston, wir haben kein Problem!

Problemlagen

Letztlich lag das Problem bei mir. Es lag nicht an mir, sondern schön eingekuschelt neben mir. Der Läufer im Schach kann nur schräg und der Turm nur gerade. Das Pferd muss her, wo ist das Pferd? Uh, wird vom Bauern bedroht. Dennoch, das Pferd muss her! Mein Pferd heißt nun ‚Change Management‘. Klingt komisch. Organisationsentwicklung klingt besser, trifft die Sache nur nicht ganz. Change Management ist immer auch Organisationsentwicklung,  aber Organisationsentwicklung nicht immer Change Management. Im Kern dann doch, na egal, alles eine Frage der Definition.

Communication and Change Management

Mit den ersten Lernheften bekam ich nun endlich Vokabular und Werkzeuge an die Hand. Intuitionen und Kommunikationskonzepte werden in meinem Kopf gerade angehübscht, umgeschminkt und schon fühle ich mich wohler. Wie frisch geduscht. In der Kommunikationsbranche allein kann ich nicht bleiben. Kommunikation in Unternehmen ist für mich mehr als nur Zuhören, Informieren und Vermitteln. Dort, wo so viele Informationen zusammenlaufen, formale und informale Abläufe und Strukturen deutlich werden, ja da kann ich nicht einfach sitzen und zusehen, wie auf unerklärliche Weise Dinge ungelöst werden. Ich will verstehen, warum das Oval der Organisationsabläufe im Allgemeinen so ist, wie es ist. Hier und jetzt ist die Kombination aus systematischer Kommunikation und Veränderung mein Weg und meine Lösung.

AnspruchsLosLassen

Eines muss ich noch loswerden, um all jene, die über ein Fernstudium nachdenken, vorzubereiten: Wer ein paar Jahre an oder neben der Uni verbracht hat oder die Nase gern in wissenschaftliche Werke steckt, wird vom Fernstudienmaterial erst einmal enttäuscht sein. Fußnoten sind meist alibitär, Literaturlisten vom Tetrapack und Inhalte wie Einsendeaufgaben eher schwammig. Aber gut, die Hefte geben eine gewisse Ordnung und vermögen letztlich, das gesamte Feld abzudecken. Es gibt Hefte, die nerven anfangs ziemlich, am Ende ist es Liebe auf den zweiten Blick. Ein Fernstudium ist eben auch kein Master an der Uni. Hier muss jeder wählen, was ihm am besten passt.

Fernstudieren ist etwas für Aktivisten. Kein Sozialismus (keine Sprüche, ich bin geborener Ossi). Letztlich entscheidet jeder selbst, was er daraus macht. Wer das Fernstudium lediglich für das Zertifikat anfängt, wird schnell durch die Hefte kommen. Für mich geht es um mehr. Bring it to the max. Und dabei kommt eine Menge Material zusammen, was auch in ganz anderen Zusammenhängen ziemlich nützlich sein kann. Dann und wann geht mir ein kleines Lichtlein auf – und sollte es mal wieder vorkommen, werde ich flugs hier berichten.