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Farbiges Dunkel: Dark Fantasy mit Alessandra Reß

Phantastik-Autorin Alessandra Ress
Phantastik-Autorin Alessandra Ress

Dunkle Phantastik, Vampire, Geistermädchen… Grusel. Bei Dark Fantasy denke ich zwangsläufig an blutunterlaufene Augen, dicken Nebel und Schwarz in all seinen Facetten. Alles scheint irgendwie traurig und düster. Nichts für zarte Nerven. Nun sitze ich hier und bereite mein Interview mit der Phantastik-Autorin Alessandra Reß vor. Beim Blick auf ihr Foto merke ich schnell, dass die Autorin selbst alles andere als freudlos auf mich wirkt. Ich sehe ein: Ich habe keine Ahnung von der Phantastik! Also, alle Melancholie beiseite, Vorurteile in die Ecke und nachgelesen…

Belletristik und Dark Fantasy, das scheint sich zu beißen. Im Wortsinn. ‚Dunkle Phantastik‘ als Teil der ‚Schönen Literatur‘? Nun gut, das ziehen von Gattungsgrenzen überlasse ich lieber anderen. In die ‚Begriffskonfusion‘ mische ich mich nicht ein. Entscheidend  für die Phantastik ist der „Riss“ (Caillois/1974), aber nicht etwa einer zwischen Realität und Phantasie. Vielmehr scheint es in phantastischer Literatur um die Brüche und Unregelmäßigkeiten im Normalen, im Alltäglichen, im Gewohnten zu gehen. Vielleicht deshalb auch die Vampire: Es ist der freundliche Nachbar, der unvermittelt durchs Schlafzimmerfenster flattert – (de-)maskiert als Dracula. Kafkas Käfer saß auch abrupt in den eigenen vier Wänden.

Dabei fing doch alles ganz harmlos an, romantisch gar: E.T.A. Hoffmann soll es gewesen sein. Jedenfalls als besonders schönes Exemplar seiner Epoche. Eine falsche Übersetzung seiner „Fantasiestücke in Callots Manier“ als „Contes fantastiques“ (Phantastische Erzählungen) statt „Contes de la fantaisie“ (Erzählungen aus der Phantasie) scheint der Gattung ihren Namen verliehen zu haben. Davor gab es freilich schon Märchen, Sagen, Schauerromane und dergleichen. Doch die Romantiker irritierten und rüttelten mit ihrer Literatur am Tradierten. Banales wird jäh ins Unheimliche verwandelt. Unheimlich weil ‚nicht vertraut‘ … das Monster sitzt unterm Häkeldeckchen.

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Alessandras Bücherregal

So sind es etwa im Roman von Alessandra Reß alle Sinne, die synästhetisch überbordend ins Normale reißen. Dunkel weil farbig, unheimlich weil nicht vertraut. Und im Alltag? Alessandra Reß studiert in Koblenz Kulturwissenschaften und veröffentlich 2013 ihren Debütroman „Vor meiner Ewigkeit“. Im morgigen Interview erzählt sie von ihrer Art und Weise des Schreibens, davon, wie mit einem Lied alles begann und warum sie sich inzwischen (auch) für ein Pseudonym entschieden hat.

Hier geht es zum Autorinnen-Interview mit Alessandra Ress.

Hier der Link zur Leseprobe aus „Vor meiner Ewigkeit“ (PDF).

Die Autorin findet Ihr hier:
E-Mail: alessandra.ress@gmail.com
Blog: http://dew-linae.blogspot.de
Facebook: https://www.facebook.com/AlessandraRess