euphemistische Beschreibung einer Bauruine, Euphemismus, Beschönigung, Schönreden

Euphemismen: „Das kannst Du auch netter sagen.“

Im neuen Jahr wird bekanntlich alles besser. Pünktlich zum ersten Blog-Posting habe ich mir so einige Ausreden einfallen lassen: Weihnachten als Zeit zum Besinnen, kreative Schaffenspause, fleißiges Ideensammeln… Alles nicht gelogen, aber doch ein bisschen unwahr. Euphemismen kommen da wie gerufen. In Rhetorikkursen gern als Wunderdinger der Kommunikation angepriesen, sollen sie das Miteinander irgendwie schöner machen. Tun sie das wirklich?

Prolog
Was wirklich geschah? Ich war faul. Die digitale Welt habe ich nur besucht, um dem verteufelten Konsumrausch zu frönen. Ich habe Kinderbücher vorgelesen und Holzfische geangelt. Der Baum wurde an- und wieder ausgezogen. Dem durch Geschenke vereitelten Wohnpurismus habe ich ein neues Sortierkonzept entgegengestellt. So langsam zieht die gewohnte Unordnung wieder ein. Ach, was sag ich. ‚Unordnung‘ – so ein böses Wort. Abwechslungsreicher, flexibler, wenn nicht gar spontaner Tagesentwurf klingt da doch irgendwie… Ja wie? Anders.

euphemistische Beschreibung einer Bauruine, Euphemismus, Beschönigung, Schönreden
Luxus pur! via: backkratze

Angehübscht und aufgemotzt
Euphemismen sind verbale Beschönigungen. In etwa so erfolgreich wie hübsches Geschenkpapier um die geschätzten Wollsocken. … und sie kratzen doch! Selbst wenn das Halteverbot mal zur ‚Freiflächenzone‘ umbenannt werden sollte – der Strafzettel bleibt sicher. In der alltäglichen Buchstabensuppe sind ‚Genussmittel‘, ‚gesundes Essen‘, ‚Mundpflege‘ und andere Umschreibungen ganz nett. Doch bei ‚Vorratsdaten‘ hört bei mir der Spaß auf. Fakten sollten Fakten und Nettigkeiten Nettigkeiten bleiben.

Prunkstücke
Mein aktueller Favorit ist die ’natürliche Abschattung‘. Frei übersetzt: Es ist dunkel in der Butze. Mit einem eigentlichen Nachteil durch sprachliche Beschönigung auch noch werben? Nein, das finde ich nicht gut. Es hilft doch keinem. Es verwirrt. Verträgt unsere Gesellschaft keine ‚harten Fakten‘ mehr? Muss alles nett verpackt werden? Vorteile kann es aber nur durch Nachteile geben. Etwas ‚gerade heraus‘ zu sagen, das war mal eine Tugend. Was bleibt? Öhrchen spitzen, genau hinhören und im besten Fall über die sprachliche Kreativität in Politik, Wirtschaft und sonstwo amüsieren. Eine mal heitere, mal denkwürdige Sammlung euphemistischer Ausdrücke habe ich etwa hier gefunden.