Absage auf Bewerbungsschreiben

Philosophie des Scheiterns

„… leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Sie für eine Einstellung nicht berücksichtigen konnten“. Schluss mit Urlaub, willkommen zurück im Leben! Meine Koffer gerade in den Flur gerollt, die Kaffeemaschine zum Leben erweckt, am Telefon-Ohr die Oma. Kurzes Innehalten. „Ähm ja Oma, wir telefonieren dann morgen, ich muss jetzt erstmal auspacken.“ Rübenmist und Mäusedreck, eine Absage. Noch nicht mal zum Vorstellungsgespräch geladen. Dabei munkelte es noch vor den Ferien, ich dürfe Ende der Woche vorsprechen. Der Brief sollte mir verraten wann, nicht ob! Da habe ich mir am Ausschreibungs-Schaufenster aber fein die Nase platt gedrückt…

Absage auf Bewerbungsschreiben
Absageschreiben Bewerbung

Anständige Absage
Immerhin, die Absage kommt per Post, auf gutem Papier, ist an mich adressiert, höflich formuliert und  zweifach unterschrieben. Für mich ein Wermutstropfen. Hier im Blog habe ich mich einst arg über eine ewig spät versendete unpersönliche Massen-Absage-E-Mail beschwert. Den Aufwand der Absager schätze ich nun. Nein, ich hege keinerlei Groll. Ich weiß ja, dass der Job für mich perfekt gewesen wäre – nur leider konnte ich dies den Personalern nicht so recht klar machen.

Fehlersuche in der Bewerbung
Na hoffentlich war kein Rechtschreibfehler in den Bewerbungsunterlagen… Ich guck lieber gar nicht nochmal rein. Das würde ich mir nicht verzeihen. Vielleicht war meine digitale Broschüre für einen Social Media Job doch noch zu progressiv… Vielleicht war meine Praktikanten-Gehaltsvorstellung zu niedrig. Vielleicht zu tief gestapelt, vielleicht zu hoch… Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Fürstin von und zu
Manchmal kommt mir die Idee, dass es gar nicht darum geht, was jemand kann oder tut. Es könnte ja auch darum gehen, wen einer kennt und wer einer ist, welche Namen und Labels fallen. Wie bei der GEZ – einmal den Fuß in Tür oder Herz, läuft der Rest fast von ganz allein. Wer da noch verhalten anklopft, hat schon verloren. Mir geht es fast wie Dostojewskijs Dolgorukij, der eben nur Dolgorukij und nicht Fürst Dolgorukij ist. Ich sollte mich als Schnaps-Erbin verkaufen! 😉

Besser machen
Nun zu jammern wäre ein Affront gegen all jene, die sich schon hundertfach beworben haben. Ich bin am Zweifeln, noch nicht am Verzweifeln. Trotzdem nachdenklich. Wo nur steckt der Fehler im Lebenslauf? Aussergewöhnlich unsympathisch bin ich doch auch nicht. Neuanfänge sind immer schwierig. Kontaktpflege beruht für mich stets auf ernstem Interesse – vielleicht ist das ja DER Fehler? Hm… Gut, das nächste Mal wird es eine Standardbewerbung + Broschüre + digitales PDF. Oder ist das gleich wieder zu viel? Gehaltsvorstellungen hoch oder runter? Übermotiviert oder langweilig? Oder kam Kermit als Passbild vielleicht doch nicht so gut an? Ein Scherz. Hach!

Eine die auszog, um das Scheitern zu lernen
Meine umfangreiche Philosophie des Scheiterns schreib ich dann nächstes Jahr, sofern meine Bewerbungsoffensive zu keinen nennenswerten Erfolgen führt. Und wißt Ihr was ich bis Weihnachten mache? Mal was ganz Aussergewöhnliches: Nix! Bisher lief immer alles gleichzeitig: Promotion, Kind, Büchermachen, Familie, Fernstudium, Kopfkino ohne Werbeunterbrechung… Wofür? Gefühlt, um mit zwei Schritten nach vorn auch gleich wieder drei zurück zu gehen. Nö. Ich werde wieder ganz viel lesen und zuhören, ich möchte mal ein paar Wochen ganz Mama sein, ich werde Kastanien-Pferde basteln ohne auf die Uhr zu schauen, ich will durchatmen. Und freilich will und werd ich ins Internet schreiben! Ja, das alles ist Luxus! Doch wer sich im Kreis dreht, hält am besten einfach mal kurz an, guckt sich um und geht weiter. Vielleicht alles einfach nur eine Einstellungssache…