Nina C. Hasse - Steampunk-Autorin

Interview mit der Schriftstellerin Nina C. Hasse: „Ersticktes Matt“

Interview – Belletristik/Steampunk

Die Idee zu ihrem Steampunk-Thriller bringt die Autorin Nina C. Hasse von ihrer Weltreise mit. Auch Schreiben ist für sie Reisen und manchmal schreibt sie auf Reisen. In ihrem Blog finden sich sonnige Arbeitsberichte – Notizblock und Stift haben es sich da am Pool gemütlich gemacht. Zurück in Münster schreibt sie an ihrem restaurierten Sekretär, noch lieber aber in der Bibliothek. Eben dort, wo es ruhig ist. Social Media als ständige Begleiter bleiben dann ausnahmsweise vor der Tür. Zur Kurzbiografie…

Nina_Steam2_1_kleinEinstieg: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Geschichten schreibe ich, seit ich schreiben kann. Ich habe damals zunächst Tierbilder ausgeschnitten und mir dazu kleine Stories ausgedacht. Später habe ich dann vor allem Fanfiction zu TKKG und diversen Fernsehserien geschrieben, bis ich mir irgendwann – ich glaube, da war ich 13 – eine erste Geschichte mit eigenen Figuren ausgedacht habe.
Schreiben gehört also schon sehr lange zu meinem Leben. Auch wenn ich schon oft längere Schreibpausen eingelegt habe, kann ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen. Meine Berufung ist es schon jetzt und ich würde es gerne zu meinem Beruf machen.

Profession: Was heißt es für Dich, Autorin zu sein?
Autor ist für mich jemand, der Texte schreibt – ganz egal, ob er damit seine Brötchen verdient oder es nur für sich und seine Schublade tut. Ich habe lange gezögert, mich Autorin oder Schriftstellerin zu nennen, doch genau das ist es, was ich tue. Ich schreibe Texte, jeden Tag. Autorin sein bedeutet, fremde Welten zu entdecken, Abenteuer zu erleben, Reisende zu sein.

Lokalisation: Wie und wo schreibst Du?
Mein Arbeitsplatz zu Hause ist ein alter Sekretär, den ich restauriert habe. Meistens gehe ich zum Schreiben jedoch in die Universitätsbibliothek, weil ich mich dort nicht so schnell ablenken lasse, z.B. durch Internet (Facebook!), Telefon oder Staubwischen. 😉 Die Stille und die Arbeitsatmosphäre dort helfen mir, produktiv zu sein.
Papier oder Rechner? Beides! Geschichten schreibe ich meistens direkt auf dem PC, weil ich an der Tastatur schneller schreiben kann als mit der Hand. Charakterskizzen, Notizen, Plot etc. mache ich aber lieber auf Papier. Ich wühle unheimlich gerne in meinen kritzeligen Aufzeichnungen und habe immer ein kleines Notizbuch + Bleistift in der Handtasche, in dem ich Satz- oder Szenenfetzen festhalte, die mir unterwegs einfallen.

Organisation: Wie sammelst und organisierst Du Deine Gedanken, bevor Du sie ‚aufs Papier‘ bringst?
Durch Mindmapping und eine ganz tolle Methode von Richard Norden: Kreativ mit der Matrix, mit der man seine Gedanken wunderbar sortieren kann und neue Ideen entwickelt. Kann ich nur empfehlen! (Außerdem habe ich ein Faible für Karteikarten. Damit sieht man so arbeitsam aus 😉 ).

Fünfsatz: Worum geht es in Deinem aktuellen Buchprojekt „Ersticktes Matt“?
Mein aktuelles Buchprojekt ist ein Steampunk-Thriller, der den Arbeitstitel „Ersticktes Matt“ trägt. Ein New Yorker Ermittler und ein junger Schachprofi jagen einen Mörder, der seinen Opfern Schachfiguren in die Hände legt. Von ähnlichen Werken unterscheidet sich mein Projekt durch das Setting: Es ist ein typischer Thriller im Steampunk-Setting, jedoch ohne die im Steampunk häufig gebrauchte Bedrohung für das Britische Empire.

Motivation: Wann und wie kam die Idee zu diesem Projekt? Wie war Dein Weg vom Manuskript zum Buch?
Die Idee kam mir auf genannter Weltreise – das Projekt begleitet mich also schon eine ganze Weile. Auf einem Flug betrachtete ich in einer Zeitschrift eines dieser beliebten Schachrätsel (die ich meistens nicht lösen kann) und fragte mich: Was wäre, wenn jemand Botschaften in diesen Rätseln versteckte? Was würde darin stehen? Und wer könnte es lesen? Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los und die Idee zu einem Schachkrimi war geboren.
Ich stecke noch mitten im Manuskript, aber ich beantworte diese Frage gerne, wenn ich dann mal fertig bin… 😉

Bewerbung: Wie gehst Du mit Reaktionen auf Deine Bücher um?
Ich habe bisher viel positive Resonanz bekommen und viele Leute, die Interesse an meinem Projekt bekundet haben. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Kritik nehme ich sehr gerne an und arbeite sie ein, sofern sie konstruktiv ist.
Social Media nutze ich sehr gerne. Vor allem Pinterest habe ich seit kurzem für mich entdeckt. Seit Jahren schon ‚caste‘ ich meine Figuren, suche Schauspieler aus, die sie darstellen könnten. Ich fand es immer sehr schade, meine Vorstellung der Charaktere nur sehr schlecht teilen zu können. Eine Liste auf meinem Blog Figur – Schauspieler fand ich zu langweilig. Mit Pinterest kann ich jetzt Bilder, die mir gut gefallen an spezielle Pinnwände heften, Namen ergänzen und Lesern zeigen, wie ich mir die Figuren vorstelle. Das finde ich großartig! Aber auch andere Fotos pinne ich gerne dort: Schauplätze, Textauszüge, Inspiration etc. Pinterest ist eine großartige Möglichkeit für Autoren mit ihren Lesern in Kontakt zu treten, Figuren zu diskutieren und eine genauere Vorstellung vom Aussehen eines Charakters zu vermitteln, als es mit Worten möglich wäre. Aber auch für die eigene Planung, Organisation und Inspiration ist Pinterest eine tolle Sache – man muss ja nicht jede Pinnwand veröffentlichen…

Austausch: Wer sind Deine Ansprechpartner rund ums Buch? 
Im persönlichen Kontakt helfen mir vor allem meine Schwester und mein Freund. Die beiden kann ich immer fragen, wenn ich mal nicht weiter komme und sie sind es auch, die die ersten Entwürfe meiner Geschichten zu lesen bekommen.
Zu Kollegen habe ich zumeist über das Internet Kontakt.

Gretchenfrage: Wie hältst Du es mit Social Media Aktivitäten und passen Buch und Social Web zusammen?
Absolut! Ich bin viel im (Social) Web unterwegs, in mehreren Autorengruppen bei Facebook, Schriftstellerforen, Twitter etc. Ich finde es wahnsinnig spannend, anderen bei der Entstehung eines Buchprojekts über die Schulter zu schauen! Auch potenzielle Testleser, Lektoren und viele nette Kollegen lerne ich über das Internet kennen, Menschen, denen man im wirklichen Leben wahrscheinlich niemals begegnet wäre. Diese Vernetzung und der Austausch sind großartig! Es ist schön, dass Schriftsteller aus ihrer Kammer herauskommen und in direkten Kontakt mit Lesern und Kollegen treten können.

Eigenwill: Welche Frage müsste ich Dir unbedingt stellen? Und was würdest Du darauf antworten?
„Dein Motto beim Schreiben?“
Eigentlich sind es zwei und für sich klingen sie ziemlich platt: Übung macht den Meister und: Man lernt nie aus. Sie passen auf viele Dinge, aber zum Schreiben ganz besonders.

Und so geht es direkt zur Autorin:
Blog: http://ninahasse.wordpress.com
Facebook: http://www.facebook.com/nina.c.hasse
Twitter: @nina_hasse
Pinterest: http://pinterest.com/nhasse

Leseprobe aus „Ersticktes Matt“ (Beginn einer Szene im Mittelteil):

Krankenhäuser besitzen eine außergewöhnliche Atmosphäre, denn hier treffen Menschen aller Schichten, Konfessionen und Berufe aufeinander. Ärzte, Schwestern, Pfleger, Köche und Priester, nicht zu vergessen die von Krankheit und Kummer geplagten Seelen, die hier einkehren, in der Hoffnung auf Erlösung von ihrer Pein. An welchem anderen Ort finden sich so unterschiedliche Menschen, einzig verbunden durch Krankheit, Leid und Tod? Das Siechtum unterscheidet nicht zwischen Jung und Alt, zwischen Armut und Reichtum, zwischen Intelligenz und Torheit. Ebenso wenig wie der Tod.
Mit diesen Gedanken lenkte er sich ab, als er in den Aufzug stieg und den Hebel betätigte, der das Gefährt in Gang setzte. Die Pathologie im Keller des St. James Hospitals war einer jener Orte, um die Lafayette unter normalen Umständen einen weiten Bogen machte. Hier gesellte sich zum Geruch von Tod auch noch der Gestank von Blut und anderen Körperflüssigkeiten und er musste sich zusammenreißen, um sein Taschentuch nicht fest auf Mund und Nase zu drücken. Den Gefallen würde er Dr. Blackburne mit Sicherheit nicht tun.
Der Rechtsmediziner drehte ihm den Rücken zu, als Lafayette den kühlen Raum mit den grau gefliesten Wänden betrat. Ihn fröstelte. Die Leichenhalle war der ungemütlichste Teil des Krankenhauses. Nicht, dass Lafayette als Ermittler in Tötungsdelikten ein Problem mit Leichen gehabt hätte, aber er war immer froh, wenn er den Raum, sei es Tatort oder Pathologie, wieder verlassen konnte.
»Sie dürfen ruhig näher kommen«, sagte Blackburne.

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