Bücher finden und verlieren: Wie Ihr kauft, leiht, tauscht und was sonst noch zu sagen war

Statistiken erzählen nur die halbe Wahrheit: So zumindest, vergleiche ich das Ergebnis meiner kleinen Umfrage zum Bucherwerb mit Euren fabelhaften Kommentaren. Unbedarft versuchte ich, Euren Bücherkauf in die Schubladen neu, gebraucht, geliehen oder ‚anders‘ zu quetschen. Demnach kaufen 58% von Euch ihre Bücher neu, 26% gebraucht, 5% borgen lieber und 11% organisieren sich ihren Lesestoff irgendwie anders. Soweit so gut. Wirklich interessant wurde es  mit Euren Kommentaren.

Umfrage: "Neu, gebraucht, geliehen. Wie kommt Ihr zum Buch?"
Kleine Umfrage: „Neu, gebraucht, geliehen. Wie kommt Ihr zum Buch?“

Schubladen, Schubladen, Schubladen – Bücher gehören in Regale!
Regal? Wieso jetzt Regal? Ein gutes Buch wartet doch auf dem Tisch, steht neben der Badewanne, schlummert unterm Bett, versteckt sich in der Handtasche – ganz nach Belieben. Stimmt! Eure Kommentare haben mir gezeigt, dass ich weniger horizontal, als vielmehr vertikal hätte fragen müssen. Am besten quer. Sprich: Nur eine Antwortmöglichkeit zu geben, funktioniert einfach nicht. Umso mehr freue ich mich über die vielen Einblicke, die Ihr in den Kommentaren gegeben habt. Weil Eure Bericht für mich so spannend waren, folgt nun eine kleine Zusammenfassung. Abgestimmt haben auch Stefan Hoffmeister und Jäger Heiner, also ein fettes DANKESCHÖN an Euch alle!

Neu, gebraucht, geliehen und getauscht
Alles oder nichts: Jörg Wilkesmann-Brandtner und uNTERWEGSiNsACHENkUNST kaufen nach Belieben neu oder gebraucht und leihen mal aus. Ebenso Petra Gust-Kazakos, sie kauft Altes und Neues, leiht und tauscht. Aufs Tauschen wäre ich nicht gekommen – aber klar, warum nicht tauschen! Gerade ein Buch gewonnen hatte etwa little edition Werbetexte, die Kategorie „Gewinn“ kam mir bisher gar nicht in den Sinn. 😉 Auch nicht im Voting enthalten ist etwa theomix, denn er hat für jedes ‚Thema‘ eine eigene Strategie: Fachliches, Arbeitssames wie Spontanes wird von ihm neu gekauft, Kinderschulbücher sowie Einlesesachen werden eher gebraucht erstanden und Krimis, Romane und Aktuelles leiht er aus. Letzteres kann ich ganz gut nachvollziehen, denn meine ‚Regalhüter‘ sind die dicken Romane, die ich selten hervorziehe, um nochmal einen Blick hinein zu werfen. Anders die Fachliteratur: Während meiner Lehrjahre habe ich beinah alles Wichtige kopiert oder gekauft. Es gab für mich nichts Schlimmeres, als für eine Fußnote in die Bibliothek rennen zu müssen.

Notfalls neu – lieber gebraucht, geliehen oder getauscht
Während in der Umfrage wie auch in den Bemerkungen das neue Buch die Nase vorn hat, sind mir überraschende Argumente fürs recycelte (was für ein Wort!) Buch begegnet. Für Klara Himmel sind Bibliothek und Fernleihe „noch aus Jugendzeiten“ ihre erste Wahl, sie hat schließlich „bald gewohnt in der Bibliothek“. Erinnerungen werden wach… Neben der Wertschätzung und Aura des Gedruckten, gibt es Aspekte, die ich so gar nicht bedacht hätte. Follygirl kauft meist reduzierte Bücher, zur Not bestellt sie eins neu, „ allerdings NIE bei Amazon, solange dort Tierqualprodukte verkauft werden“. Ihre Fundgrube für gebrauchten Lesestoff ist das Arbeitslosenzentrum, wo sie Bücher günstig kauft, dann aber meist als Spende zurück stellt. Schließlich bringt wiesenirja es auf den Punkt: „Nicht jeder kann sich neupreisig leisten, was er gerne läse – lieber billiger erstehen (oder leihen) als es gar nicht lesen!“

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Wo ein Wille, ist ein Weg – im ‚Buch vergriffen‘ Fall führt der ins Antiquariat. Und das kann teuer werden! So berichtet tanjaernst über ihre „dubiose Vorliebe für vergriffene Exemplare“ und den „erbarmungswürdigen“ Zustand dieser teuren Schätzchen. Sie schlägt ein in der Kunst übliches „Folgerecht“ vor, denn dann könnte auch der Autor am Weiterverkauf profitieren. Keine schlechte Idee! Dann wüßte ich wenigstens, dass ich beim Gebrauchtkauf dem Autor nicht die Butter vom Brot stehle. Eher unfreiwillig im Antiquariat landet Bernd Kübler, der „grundsätzlich neu“ kauft, ob mangelnder Verfügbarkeit dann aber doch zum gebrauchten Buch greift. Das Schicksal teilt mit ihm Heiner Jäger, den es ab und zu ins Antiquariat verschlägt. Hingegen wühlt Herbert Heyduck gern mal in der antiquarischen Grabbelkiste, weiß dann zwar nicht wohin mit dem Fang, kann es aber nicht lassen. Übrigens, meine älteste Errungenschaft sind zwei Bände aus dem Jahr 1884. Die gibt es zwar kostenlos online, doch mir war diese Variante irgendwie zu seelenlos. Die alte Schrift und das bröselanfällige Papier – das war was ganz anderes!

Die Aura des Buches im digitalen Zeitalter
Ja, das gibt es wohl noch, das gewisse buchige Etwas. In manchen Zimmerwinkeln jedenfalls. Bücher gehören nicht ins Altpapier! Das betont wiesenirja und hat wohl schon so manches Büchlein aus dem Altpapier gerettet, um es dann ‚zum Mitnehmen‘ an die Straße zu stellen. Und Rainer Rabowski hat „schon einmal sämtliche 1,- Euro Bücher (s)eines Lieblingsautors aus einer Grabbelkiste gekauft, nur damit sie nicht weiter für den Preis da drin lagen“. Ein echter Leser und ich hoffe, keine „aussterbende Art“. Mit ihm ließe sich von den hölzernen Dingern „in besseren Fällen – auch von einer gewissen „Explosivität“ eines Geistes-Containers namens Buch sprechen“. Und Amélie von Tharach zog einst aus, um ihre alten Schinken loszuwerden, kam vom Flohmarkt jedoch mit einer IKEA-Tasche voller neuer Bücher zurück. Der Reiz des Verbotenen! 😉 Was findet sich nicht alles in gebrauchten Büchern?! Ihre schönsten Entdeckungen sind wohl „alte Zeitungsanzeigen, mit Texten wie: mein Bäumchen, ich warte am Sonntag an der gleichen Stelle auf dich“. Von Anmerkungen und Unterstreichungen, wie sie nicht allein Herbert Heyduck zu schätzen weiß, einmal ganz abgesehen. Er findet etwa „den alten Fahrschein, der noch als Lesezeichen gültig ist“.

Und das eigene Buch?
Autorinnen nehmen es gelassen: Verschenkt, getauscht, verliehen – alles gut, nur bitte kein Verramschen und schon gar kein Stehlen. So fasse ich zusammen, wenn etwa ACR laut denkt, … gäbs mich gebraucht, wär es mir die Ehre, herumgereicht zu werden… Nicht nur Apfel teilen oder Stulle, auch Hirnnahrung – oder gerade eben die. Kaufen/Verkaufen ist nicht so wichtig, wie ernähren. Lesen ernährt den Geist“. Und Debütantinnen? Noch nicht gedruckt und gegen unlauteres Kopieren ohnehin schon günstiger E-Books, würde wiesenirja „übers gedruckte Weitergereichtwerden nicht meckern“. Für Flohnmobil ist es ein ambivalentes Ding: „Als eben erst gewordene Autorin wünschte ich mir natürlich, dass jeder mein Buch neu kauft. Aber mehr Geld kann ich vermutlich ‚verdienen‘, wenn ich selber gebrauchte Bücher kaufe, sie bei Freunden ausleihe etc.“ Erleichterung.

"Öhm, nö, lass mal... Dann lieber zurück ins Regal!"
„Öhm, nö, lass mal… Dann lieber zurück ins Regal!“

Bloß nicht verleihen! Oder: Der Trick Bücher loszuwerden
Überraschende Bemerkungen kamen zum Thema Ausborgen. Follygirl verleiht kein Buch, sie verschenkt sie lieber. Angela Charlotte Reichel stellt klar heraus: „Bücher borgen möchte ich nicht. Ich verborge sie auch nicht (mehr), dann verschenke ich sie lieber.“ Warum wohl? Vielleicht weil Verleihen und Schenken aufs Gleiche hinauslaufen? Wer fleißig Hölzernes sammelt, steht spätestens mit einem Umzug vor der Frage „Wohin mit den vielen Büchern?“. Meine diesbezügliche Kreativität war bisher eher wenig entwickelt – entweder ich bekomme es verschenkt, verkauft oder es bleibt, wo es ist – im Regal. Wird halt ein neues Billy gekauft. Euere Vorschläge bringen mich da auf ganz neue Ideen! So Rainer Rabowski, der sie ‚zum Mitnehmen‘ auf den Papiercontainer legt. Noch besser seine Idee vom ‚Bücher verlieren‘, sprich aus Versehen im Bus liegen lassen. Leider klappt das wohl nicht immer, weil ein Busfahrer ihm schon mal hinterherlief, um drohendes Unheil zu verhindern. Flohnmobil berichtet von einem alljährlichen ‚Bücher-bring-und-hol-Tag‘ in ihrer Gemeinde. Sowas gibt es hier in Hannover wohl nicht. Ganz die Flohnerin berichtet sie von ihren Reisen: „Gelesene Bücher hat man einfach in der nächsten Wäscherei, sei es auf dem Campingplatz oder in einer Dorfwäscherei, deponiert. Manchmal waren sie oft schon weg, bevor die Wäsche trocken war.“ Liegt wohl daran, dass gerade im Urlaub Zeit und Buch gern mal fusionieren.

Nun weiß ich also: Das mit den Büchern ist gar nicht so einfach zu handhaben. Mal neu, mal gebraucht, mal geliehen, mal getauscht, mal gewonnen – verloren, verschenkt, verborgt, abgeholt… Und so schließe ich mich wiesenirja an: „Wenn allerdings Klein- oder Selbstverlag, dann lieber neu & Vollpreis. Da hat dann meist auch der Autor was davon.“

Franziska