Dem Autor nicht aufs Gummibärchen spucken. Bücher zweiter Hand?

Eine Verschlankung meines Bücherregals war das eigentliche Ziel. Klappt nicht. Kaum ist eins weg, kommen zwei dazu. Dabei bin ich gar keine Büchersammlerin. Ich lese einfach gern. Querbeet. Durch Räume und Zeiten. Hineinlesen in andere Köpfe, wie aufregend. Sach- und Fachbücher genieße ich meist in Kapiteln und Abschnitten. Geschichten verlangen da schon mehr, die wollen von vorn bis hinten beschmökert werden. Das braucht Zeit, Freizeit. Freie Zeit ist rar und so türmen sich die Schätzchen. Überfluss stellt sich ein. Bibliophiler Wohlstand!

SONY DSCWie nun aber ans Buch kommen? Bisher bestellte ich alles sofort und neu. Es sollte schließlich mein Buch sein. Meins, meins, meins. So ein Quatsch. Traumatisiert von der Schulzeit – die Wahl zwischen neuem oder gebrauchtem Schulbuch war im Kinderkopf so etwas wie die Wahl zwischen einem Buch mit Buchstaben und einem Buch ohne Buchstaben. Sofort kommt mir der Geruch alter Bananen in den Sinn. Die mehr oder weniger nützlichen Hinweise der Vorbesitzer und so manches ausgemalte O hätten vielleicht die eigene Kreativität beflügelt. Nix da, alles neu. Unbefleckt, ungeteilt, ungelesen. Einzelkind-Gehabe.

Es kam zur Angewohnheit, in Bücher zu schreiben, zu markieren, zu unterstreichen. Arbeit am Gedanken. Arbeit mit dem Text. Bücher schinden, mit dem Bleistift attackieren, Kuli und Filzer waren auch schon mal dabei. Frevel? Nein, Komplimente an den Autor. Nach dem Schmierexzess natürlich unverkäuflich. Ja, dann war es tatsächlich MEIN Buch. Es war vollbracht. Aufs Gummibärchen spucken, um sicher zu gehen, dass es Paul nicht bekommt. Hunde machen das ganz ähnlich. Nein nein, der Zweck heiligte die Mittel. Ehrlich! Bücher mit Widmung des Autors. Ein Dilemma. MEIN Buch, als zu ehrendes Geschenk diffamiert. Jetzt brauch ich zwei davon. Eins zur stillen Huldigung und eins zum zügellosen Zerlesen. Der Trend geht zum Zweitbuch. Das nenn‘ ich Wohlstand!

Das Buch, welches anständig gelesen werden will, bestelle ich inzwischen auch mal gebraucht oder leihe es aus. Gut für die Bäume, gut für mein Sparpferd – aber auch gut für den Autor? Das frage ich mich. Müssen Autoren die Heizung jetzt runter drehen, weil ich gebrauchte Bücher kaufe? Mir geht es mit den Büchern wie mit feinen Stöffchen und dem Bio-Obst. Wenn ich die eine oder andere Münze drauflege – wer hat denn was davon? Richte ich Schaden an oder helfe ich? Was meint Ihr?