Wie und warum Social Media? Partizipation auf zwei Beinen

Hosen runter: Über sich selbst sprechen – unangenehme Sache. Da fällt es doch leichter, von anderen zu berichten. Meine Identität im sozialen Netz musste ich erst finden. Anfangs war es irgendwie merkwürdig, ein eigenes Foto zu zeigen. Daheim hängt mein Konterfei auch nicht an der Wand. Hier auf druckstelle sehe ich mich ständig. Guckt sich aber weg. Dann kamen Twitter, Facebook, Pinterest, Xing und Google+ dazu. Hans Dampf in allen Gassen. Zweifel. Was soll und was kann ich denn da schreiben? Wen interessiert das überhaupt? Mit wem spreche ich? Hört jemand zu? Werde ich jetzt zum gläsernen Klienten?

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Senf und Sahne
Es dauerte vier acht Wochen und die ersten Skrupel waren überwunden. Zeiten ändern sich, auch mein persönlicher sozialmedialer Habitus ändert sich. Mein Mitteilungsbedürfnis war anfangs eher gering. Hingegen mein Interesse an Kreativem, Informativem und Wissenswertem umso größer. Was geht da nur ab im sozialen Netz? Dann verstand ich: Partizipation statt Rezeption, mitmachen statt machen lassen. Die Totgeweihten ein bisschen miterwecken. Ja, sich einmischen gehört dazu. Senf wird zur Sahne – manchmal. Die eigene Torte schmeckt nur, wenn andere mitessen. Und immer nur anderer Torten verzehren, macht dick. Geschwulste im Kopf.

Jedem Mätzchen sein Plätzchen
Wie unterschiedlich die Maßstäbe im Netz – wie auch im Stofflichen – sind, habe ich inzwischen verstanden. Ein Stückchen zumindest. Auch wenn sich der Interessiert-mich-nicht-Button‘ noch nicht etabliert hat, so nach und nach schält sich für mich Relevantes aus der Masse. Oder besser: Inzwischen weiß ich, wo ich finden kann, was und wer mich interessiert. Ein Anfang. Vor der Mischung aus privatem druckstelle-(Fach-)Blog und persönlichen Beschäftigungen hatte ich gehörigen Respekt. Ich werde mutiger. Langsames Herantasten, Wort für Wort, Federlese für Federlese. Und wer liest hier eigentlich? Hm, mein Monitoring beschränkt sich auf aktive Rückmeldungen. Digitale und demographische Daten sind mir (noch) fremd. Gehört wohl dazu – ich werde es angehen. Solange bloggt es sich mit dem ‚organischen Wachstum‘ auch ganz gut.

Kleiner Fisch
Trotz aller Erfolge empfinde ich den Weg ins soziale Netz als echte Herausforderung. Insbesondere, wenn es ums Netzwerken, sprich das Knüpfen von Kontakten geht. Ein Hausieren mit den eigenen Inhalten – komisches Gefühl. Anklopfen will gelernt sein. Willst Du mit mir gehen?: ja, nein, vielleicht. Der digitalisierte Jäger und Sammler spezialisiert sich auf Follower, Fans und Kreise. Meine Strategie: Interessantes entdecken, zaghaft klingeln und hoffen, dass ein spannendes Türchen sich öffnet. Denn es gibt sie tatsächlich, die Inhalte und Dialoge. Längstens habe ich querbeet gelernt und interdisziplinär studiert. Im Elfenbeinturm, mit goldenen Treppchen und eisernen Schlössern vor mancher Tür. Hier wie dort gibt es die Wichtigen, die zu kennen sich lohnt und hier wie dort werde ich es unterlassen, allein der einflussreichen Freundschaft wegen an Türen zu kratzen. Vielleicht im nächsten Leben, als Katze oder als Maus. Immernoch auf zwei Beinen unterwegs, erbeute ich mir Faszination und Inspiration – von Euch da draußen! 😉

Nachtrag: Anfang der Woche bin ich über die #SoMM Blogparade: Faszination Social Media von Stefanie Bauske gestolpert. Same same but different – reihe ich mich mit meinem Hose-runter-Post noch ein und bin mal gespannt, wie das Thema angegangen wird. Etwa Monika E. König konzentriert sich (einmal mehr ;)) auf Kommunikation, für Anja Senkpiel und Bianka Blavustyak gehören sie zum Alltag. Und Ihr? Faszinosum oder Normalität?