Interview mit der Autorin Beatrice Jung: „Flohnmobil – Reiseanekdoten aus dem motorisierten Ehebett“

Interview – Reisebericht

Autorin ist Beatrice Jung nicht erst, seit ihre Gedanken den Weg von Notizbuch und Fresszettel in ihren Blog finden. Die Freiheit ist neu: Blog wie Buch sind allein ihr Projekt, mit dem sie nach Belieben Zeit verschwenden und ausschweifen kann. Amüsante Umwege! Die eigenen Blog-Beiträge in einem Buch verewigen, ihr Flohnmobil als Buch, letztlich Formsache. Als der Verlag sich bei ihr meldet, wagt sie es und sagt zu. Dafür nimmt die Autorin die Hausaufgabe von Textauswahl, Satz und Korrektur gern auf sich. Vergnügen bereiten ihre Anekdoten, literarische Mitbringsel vom mobilen Flohnen. Ihre Gedanken sind stets frisch und erheiternd – das macht Laune! mehr…

Einstieg: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Schreiben war für mich lange Jahre Teil meines Berufs. Als Direktions-Sekretärin konnte ich allerdings meine Kreativität nur am Rande ausleben. Richtig Spaß am Schreiben habe ich erst gefunden, als ich auf unserer ersten langen Reise anfing, Tagebuch zu schreiben. Das war damals noch gemeinsame Sache mit meinem Mann. Dabei gerieten wir uns immer wieder in die Haare, weil er „kurze, prägnante“ Sätze meinem mitunter etwas ausschweifenden Schreibstil vorzog. 2007 verschaffte mir meine Überzeugung, dass ich zu witzigen Kolumnen fähig bin, den Zugang in die Lokalredaktion einer Schweizer Tageszeitung. Vier Jahre lang schrieb ich als Freie Mitarbeiterin Artikel. Als die Lokalredaktion wegrationalisiert wurde, blieb mir in erster Linie der wertvolle Kontakt zu einer Freundin, die ebenfalls für die Zeitung geschrieben hatte. Sie hatte ein halbes Jahr vor mir mit Blog schreiben angefangen und ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich vor kurzem ein Buch veröffentlicht habe. Seit ich im Juli 2010 das Flohnmobil, ein Wortspiel aus „Flohnen“, dem Schweizerischen Wort für faulenzen und „Wohnmobil“, eröffnet habe, habe ich über 600 Texte verfasst. Der Blog ist reines Hobby und ich genieße es, dass mir keiner vorschreibt, was drin stehen soll und was nicht. Ich kann meine literarischen Fürze frei ausleben und habe weitaus mehr Ideen als Gelegenheit, diese niederzuschreiben.

Profession: Was heißt es für Dich, Autorin zu sein?
Insgeheim erträumt sich bestimmt mancher Blogger, dass er eines Tages entdeckt wird. Dass ich eine Auswahl meiner Texte in einem Buch veröffentlichen konnte, erfüllt mich in erster Linie mit einer gewissen Genugtuung und spornt mich an, weiterzuschreiben. Sollte noch etwas Taschengeld dabei rausschauen – umso schöner.

Lokalisation: Wie und wo schreibst Du?
Ich schreibe grundsätzlich alle meine Texte auf dem Computer. Und zwar auf einer „richtigen“ Tastatur. Wenn ich notgedrungen mal am Notebook schreibe, merke ich, dass meine Körperhaltung nicht optimal ist. Durch meinen früheren Beruf bin ich trotzdem auf sämtlichen Tastaturen rasend schnell.

Organisation: Wie sammelst und organisierst Du Deine Gedanken, bevor Du sie ‚aufs Papier‘ bringst?
Notizen mit Ideen für neue Blog-Beiträge schreibe ich teilweise in ein Notizbuch, manchmal auch nur auf einen Fresszettel. Es kann Monate oder auch nur Minuten dauern, bis eine Idee zu Text wird. Da ich nur Kurztexte mit häufig witzig-ironischem Inhalt schreibe, kann ich mehr oder weniger drauf los schreiben, immer im Vertrauen, dass mir rechtzeitig eine Pointe einfällt.

Fünfsatz: Worum geht es in Deinem frisch gedruckten Buch „Flohnmobil – Reiseanekdoten aus dem motorisierten Ehebett“?
Mein Buch beinhaltet eine Auswahl an Blog-Beiträgen aus den letzten 2 ½ Jahren. Sämtliche Texte handeln vom Reisen und spiegeln 2.000 Übernachtungen in einem Campingfahrzeug wider. Auch wenn gewisse Reiseanekdoten schon einige Jahre zurückliegen, sind sie für angehende wie gestandene Wohnmobil-Fahrer lesenswert. Mein Anspruch ist, dass der Leser stets ein Schmunzeln auf den Lippen hat und am Ende jedes Textes noch mehr Flohnmobil lesen will.

Motivation: Wann und wie kam die Idee zu diesem konkreten Projekt?
Ich wurde Mitte Dezember 2012 vom Verlag gefragt, ob ich meinen Blog als Buch veröffentlichen wolle. Die Auswahl und innerhalb gewisser Richtlinien auch das Layout der Texte konnte ich selber bestimmen. Es kam mir entgegen, dass ich meinen Blog schon immer gut strukturiert hatte und somit nicht den gesamten Inhalt auf Buch-Eignung durchlesen musste. Und da erwachte auch wieder die frühere Sekretärin in mir, die Freude daran fand, Texte zu formatieren und schön darzustellen. Für den Inhalt des Buchs bin ich selber verantwortlich, ein Lektorat ist im Konzept von Bloggingbooks nicht vorgesehen. Nach dem Okay meiner Autorenbetreuerin musste ich den gesamten Buchinhalt inklusive Vorwort und Inhaltsverzeichnis als PDF-Datei hochladen, dazu in einem separaten Programm den Klappentext einfügen und ein Coverbild aussuchen. Wenige Tage später war das Buch fertig und im Buchhandel erhältlich. Da die Bücher aus dem Verlagsprogramm von Bloggingbooks nur nach Bedarf gedruckt werden, gibt es keine Mindestauflage.

Bewerbung: Wie gehst Du mit Reaktionen auf Dein Flohnmobil-Buch um?
Da mein Buch erst am 7. März 2013 erschienen ist, habe ich in der Hinsicht noch keinerlei Erfahrung gesammelt.

Austausch: Wer sind Deine Ansprechpartner rund ums Flohnmobil-Buch? 
Beim Verlag gibt es eine Autorenbetreuerin, die immer sehr prompt auf meine Anfragen reagiert hat. Bei Bloggingbooks läuft vom Erstkontakt bis zum Buchabschluss alles über E-Mail. Meine bereits erwähnte Freundin konnte ich jederzeit um Rat fragen. Von meinem Mann dagegen konnte ich keine große Hilfe erwarten, denn er war bis anhin immer der Meinung, dass Bloggen reine Zeitverschwendung ist und niemandem nützt. Ansonsten habe ich die Sache mit dem Buchprojekt für mich behalten, bis ich mein Buch wahrhaftig in den Händen hielt.

Gretchenfrage: Wie hältst Du es mit Social Media Aktivitäten und passen Buch und Social Web zusammen?
Da bin ich sehr altmodisch eingestellt. Ich habe weder ein Twitter- noch ein Facebook-Account und werde auch nie eines haben. Der Verlag ist auf Facebook vertreten und hat dort mein Buch geteilt. Aber selbstverständlich habe ich – und das nicht ohne Stolz – einen entsprechenden Hinweis auf meinem Blog angebracht.

Eigenwill: Welche Frage müsste ich Dir unbedingt stellen? Und was würdest Du darauf antworten?
„Würdest du das Konzept von Bloggingbooks weiterempfehlen?“
Da ich keinerlei Erfahrung mit Buchverlagen habe, fehlen mir Vergleichsmöglichkeiten. Sicher bietet Bloggingbooks eine kostengünstige Version, wenn ein Autor seine Blog-Beiträge als Buch herausbringen will. Es entstehen ihm keinerlei Kosten, aber er muss relativ viel Zeit investieren, vor allem, wenn ihm Textformatierung ein Fremdwort ist. Der Verlag beliefert alle relevanten Buchkataloge weltweit. Außerdem wird das Buch den führenden internationalen Buchzwischenhändlern angeboten. Weitere Vermarktungsaktionen muss der Autor selber unternehmen.

Und so geht es direkt zur Autorin:

Blog: http://flohnmobil.wordpress.com

Leseprobe aus: „Flohnmobil – Reiseanekdoten aus dem motorisierten Ehebett“

Die Überlebenswoche

Die Strasse, der wir im toskanischen Hinterland seit einigen Kilometern folgten, war kurvenreich, schmal und unübersichtlich. Mein innig geliebter Mitreisender war wieder mal gefordert und ich heilfroh, nicht am Steuer zu sitzen.

Und was war nun das? Ein Baum quer über die Strasse. Opfer des nächtlichen Unwetters oder in Schönheit gestorben? Eigentlich war das piepegal, der Baum versperrte uns einfach nur den Weiterweg. Bereits war ein Mann mit Blinklicht und Handy am Ohr vor Ort und erklärte uns, es werde nur eine gute Viertelstunde dauern, bis der Weg wieder frei sei. Der Mitreisende legte den Rückwärtsgang ein und klebte sich an den Strassenrand, damit die Retter in der Not passieren konnten – so sie denn eintrafen.

Da hockten wir also auf dem Bock. Vor uns ein Baum, der die Weiterfahrt verunmöglichte; hinter uns zwanzig kurvenreiche Kilometer, die wir nicht unbedingt zurückfahren wollten. Wir stellten uns darauf ein, dass sich die versprochene Viertelstunde vermehren würde. Aus einer Viertelstunde wurde eine halbe Stunde, daraus ein, zwei, drei Stunden. Und wenn nun hinter uns auch noch ein Baum auf die Straße gestürzt war? Wenn sich der ganze Wald gegen uns verschworen hatte; wir hier vorderhand nicht mehr wegkommen würden?

Ich begann bereits auszurechnen, wie lange wir es hier aushalten würden. Hundert Liter Wasser an Bord würden ein paar Tage reichen, wir mussten ja nicht jeden Tag duschen und hier draußen in der toskanischen Wildnis würde sich niemand dran stören, wenn wir es geschmacklich mit jedem Ziegenbock aufnehmen konnten. Reis, Teigwaren, Milch, Butter, Mehl – wie gut, dass meine Eichhörnchen-Gene auch im Wohnmobil durchdrücken. Kalorienmässig würden wir mit Sicherheit zwei Wochen über die Runden bringen. Vielleicht müssten wir Brombeeren pflücken oder im Wald ein paar Wurzeln ausgraben, damit die Frischkost nicht zu kurz kommt. Aber verhungern würden wir vorderhand nicht.

Aber was war mit den paar Italienern, die ebenfalls blockiert waren? Die Spaghettifresser würden meinen bescheidenen Vorrat an Teigwaren binnen Tagesfrist weggeputzt haben – und sich vermutlich beklagen, dass ich ihnen nur einen Schnellkaffee aus der Migros brauen konnte. Mich befielen plötzlich Zweifel. Vielleicht würde das Ganze mit der Überlebenswoche doch nicht so einfach werden. Vielleicht müssten wir Betroffenen alle mit anpacken und in einem Akt der Solidarität mit vereinten Kräften diesen elenden Baum aus dem Weg schaffen. Die beiden Schweizer mit dem Taschenmesser, die Italiener von bloßer Hand, dafür mit einem Mundwerk wie eine Kettensäge. Das internationale Werk würde vollendet und jeder nähme zum Andenken ein Holzrugeli mit nach Hause. Mamma mia!

Das Brummen einer Motorsäge machte aus meinen Tagträumen Kleinholz. Und auf die Minute genau zur prognostizierten Zeit konnten der Mitreisende und ich die Weiterfahrt antreten.

Direkt zum Flohnmobil: http://flohnmobil.wordpress.com

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