Stilistische Problemzonen im Online-Test: Diktion, Geschwätz, Lesbarkeit und Füllwörter

Auffällig sind höchstens die literarischen Patzer anderer. Selbstkritik ist latent. In die erste Korrekturrunde gehen notgedrungen die eigenen stilistischen Problemzonen. Freilich gut kaschiert. Liest sich hoffentlich weg. Klappt meist nicht. Wer mit Wieland den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, der bediene sich am reichen Online-Schatz: Schreibstil, Worthülsen, Lesbarkeit und Füllwörter – all das kann jederzeit und kostenfrei online geprüft werden. Und: Es macht nicht nur viel Spaß, es kann tatsächlich helfen!

Zu langatmig, zu viele Namen, zu wenig Absätze – Kritik am eigenen Text gehört zum Arbeitsalltag eines jeden professionellen Autors. Aufrichtige Nörgelei von Freunden oder den Kollegen schmerzt umso mehr. Dankbarkeit kommt erst im Nachhinein. Diffuse schlechte Laune ist schneller. Meist unmittelbar. Das Klischee berichtet von Gegenwehr: Eine Zigarette muss her. Oder ein Glas Wein. Vielleicht auch ein Eis. Erstmal Wäsche zusammenlegen, den Garten umgraben. Wieso nur zu viele Namen? Zu langatmig – der Leser muss sich doch reindenken können. Zu wenig Absätze, ich bin doch kein Journalist. Das ist eben mein Stil…

Ein Vorschlag: Mit einem Tee und Keksen entspannt an den Schreibtisch setzen. Eigene Texte – die perfekten wie die Baustellen – in die kleinen Helferlein hineinkopieren. Tada! Der digitale Erstleser hat den Rotstift ausgepackt und sieh nur, sieh! Im Gegensatz zu der kostenpflichtigen und universalen Textmaschine LinguLab (die ich hier… teste), sind diese kleinen Helferlein kein Ersatz für einen guten Autor. Das wollen sie  auch nicht sein. Vielmehr legen sie den Finger in die Wunde und zeigen seicht die eigenen Schwächen auf. Das tut nichtmal weh. Es ist ja nur eine Maschine. Was weiß die schon. Naja, aber hier könnte ich ja noch und da vielleicht auch… 😉 Kurzum, ich halte die folgenden vier Online-Tools für durchaus nützlich. Nicht um jeden Text damit zu optimieren, nicht um Texte generieren zu lassen. Sondern um sich mit einem Augenzwinkern dem Urteil einer berechneten Textqualität zu stellen.

Screenshot FAZ "Ich schreibe wie..." - Analyse meines Textes "Warum ich Sie duze"

Screenshot FAZ „Ich schreibe wie…“ – Analyse meines Textes „Warum ich Sie duze“

1. FAZ Stilanalyse „Ich schreibe wie…“
Besonders spaßig ist die Stilanalyse der FAZ. Der Online-Test ist nicht neu und einige von Euch werden diesen schon kennen. Mir war das Text-Maschinchen nicht bekannt. Das Programm vergleicht den Duktus des eingegebenen Textes mit dem Stil deutscher Literaten. Gemessen wird anhand eines Algorithmus, den der russische Programmierer Dmitry Chestnykh zur Analyse englischer Texte entwickelte. Die FAZ fütterte ihre Maschine mit deutschen Texten und so können wir nun nach Herzenslust testen, mit wessen Stil unsere eigene Schreibe vergleichbar ist.

2. Das BlaBlaMeter
Das BlaBlaMeter, laut Impressum ein privates Webangebot, hilft beim Aufdecken überflüssiger Worthülsen. Anhand des Bullshit-Index wird angezeigt, wie viel Geschwätz im Text versteckt ist. Ein Wert zwischen 0,1 und 0,3 liegt im grünen Bereich und wird als „hohe journalistische Qualität“ bezeichnet. Eingegebene Texte werden bsw. auf den Nominalstil oder Phrasendrescherei geprüft. Gefunden habe ich das BlaBlaMeter über den Webdesigner Michael Stein (Danke!) – dieses Textmaschinchen eignet sich sowohl zum Test großer literarischer Ergüsse als auch von Gebrauchstexten, wie E-Mails oder Blogbeiträgen.

3. Der Flesch-Wert
Der Flesch-Index wurde von dem US-amerikanischen Autor Rudolf Flesch zur Bewertung der Lesbarkeit eines Textes entwickelt. Beim Flesch-Index geht es nicht um Inhalte, sondern allein um die Struktur eines Textes. Und das heißt: Es geht vor allem um Wort- und Satzlängen. Der Wert der Flesch-Lesbarkeit liegt zwischen 0 und 100, wobei Ersteres für „sehr schwierig“ und Letzteres für „extrem leicht“ steht. Das Optimum liegt bei einem Flesch-Wert von 60, was einer durchschnittlichen Leseleichtigkeit zwischen Abschlussklasse und Mittelschule entspricht. Je einfacher ein Text erschlossen wird, desto schneller kann er gelesen und verstanden werden. Auch hier meine ich, stehen Gebrauchstexte im Fokus. Mal zu testen, wo man mit der eigenen Schreibe liegt, kann aber nicht schaden. Allein um zu wissen, was dem Leser abverlangt wird. 😉

4. Füll- und Unwörter
Das e-Lektorat der letter-factory – einer Website für Hobby-Autoren – markiert überflüssige Füll- und Unwörter. Mit Hilfe eines kleinen Skriptes können Füllwörter angezeigt oder gleich gelöscht werden. Der Effekt überrascht – markierte Füllwörter lösche ich nur widerwillig, lasse ich automatisch alle löschen, fällt es mir gar nicht auf. Auch hier muss der Text einfach in das Online-Formular kopiert werden und schwuppdiwupp, ist die Korrektur zu begutachten. Ein weiteres Skript zum Aufdecken von Lieblingswörtern gibt es übrigens auch – sprachliche Vielfalt hat bekanntlich auch noch keinem Text geschadet.

Kritik am eigenen Text – das muss ein Autor ertragen können. Kritik an Texte heranzulassen, gehört zum guten Handwerk. Das muss sein. Wer feilt nicht ein Leben lang am eigenen Stil?! Die vier vorgestellten Online-Werkzeuge kann ich für ein kleines Korrektur-Intermezzo nur empfehlen. Viel Spaß damit!

Ihr könnt natürlich gern berichten, wie es so war, im e-Lektorat…