Interview mit der Buchbloggerin Paula Grimm: „Felicitas“

Interview – Blogbuch

Am linken Niederrhein bloggt die freie Texterin und Autorin Paula Grimm emsig ihren Felicitas-Roman. Mehrmals die Woche gibt sie Tipps zum Thema Buchbloggen und entwickelt dabei den Roman – ein Blogbuch im Buchblog. Als vollblinde Autorin arbeitet sie am liebsten zu Hause mit Tastatur und Sprachausgabe. Nicht von ungefähr hat ihre Felicitas „ein Faible für alles Handwerkliche und für die Beobachtung von Händen“. Kurzbiografie…

Hört erst einmal hin: Link zum Lied

Einstieg: Wie bist Du zum Schreiben gekommen? 
Ich schreibe, seit ich schreiben kann, es ist für mich Berufung. Was ich für meinen Broterwerb als Webtexterin verfasse, hat für mich nichts mit dem zu tun, was Schreiben für mich wirklich ist. Schreiben ist für mich auch Arbeit und ich arbeite gern. Ich kenne allerdings keine Tätigkeit, bei der man die Geschwindigkeit der Gedanken und Gefühle so gut mit der Geschwindigkeit von deren Umsetzung in Einklang bringen kann. Ich lerne beim Schreiben immer irgendetwas. Das kenne ich von keiner anderen Tätigkeit.

Profession: Was heißt es für Dich, Autorin zu sein?
Autorin zu sein, bedeutet für mich, nie auszulernen. Und das gilt, obwohl ich erlebe, dass das Schreiben eines der wenigen Dinge ist, die ich wirklich kann. Und man sollte tun, was man wirklich kann. In der Erwachsenenbildung habe ich über längere Zeit keinen Job gefunden und die ‚Esoterikschiene‘, in die ich einen Abstecher gemacht habe, war ein Irrläufer, Berater und Kunden ausbeutet etc. Aber der eigentliche Grund, warum ich Autorin geworden bin, ist, dass ich einfach tun wollte, was ich gut kann.

Lokalisation: Wie und wo schreibst Du?
Ich schreibe auf den Tasten meines Notebooks. Das Notebook gibt mir die Möglichkeit, meinen Standort für das Schreiben zu wechseln, obwohl ich immer in meiner Wohnung schreibe. Da brauche ich mir nicht zu überlegen, ob ich mir bei der Arbeit den Kopfhörer aufsetze oder nicht. Schließlich habe ich nur die Sprachausgabe, die im Notebook integriert ist, um zu hören, was ich geschrieben habe. Ein Brailledisplay, was es für blinde Computernutzer auch gibt, habe ich nicht. Während ich schreibe, schalte ich die Sprache zwar vorübergehend ab, aber ich muss auch korrigieren und Teile im Zusammenhang kontrollieren.

Organisation: Wie sammelst und organisierst Du Deine Gedanken, bevor Du sie ‚aufs Papier‘ bringst?
Es gibt auf meinem Notebook einen Ordner, der Zettelkasten heißt, in dem Gedankenstürme, die mit einem kurzen Titel überschrieben werden, zu finden sind. Ich habe aber auch ein kleines Buch, in dem ich mit einer Blindenschrifttafel Notizen zwischenlagere.

Nochmal nachgefragt: Es gibt eine Sache, die ich so kurz nicht beantworten kann, nämlich die, wie sich meine Vorstellungswelt von der anderer Autoren unterscheidet. Dazu muss ich natürlich sagen, dass ich mir Gedanken machen muss, wie die Vorstellungswelt der Personen in meinen Geschichten ist. Aber, da jeder Mensch ja eine andere Welt ist und sich immer wieder neue Vorstellungen machen muss, müssen andere Autoren sich auch mit der Vorstellungswelt ihrer Personen vertraut machen.

Fünfsatz: Worum geht es in Deinem aktuellen Blogbuch „Felicitas. Die ersten sieben Leben eines Pumas“?
Im Jahr 2012 zieht die Journalistin und Autorin Tamara Sänft in das Dorf Tannhuysen am Niederrhein und findet in einem alten Sekretär ein Tagebuch aus dem Jahr 1990. Tamara spürt sofort, dass sie mit diesem Findelbuch einen Glücksgriff getan hat, aber damit ist es mit ihrer guten Intuition auch schon vorbei. Von der großartigen Ausstrahlung des einfachen Buches beflügelt, beschließt sie direkt, dieses Buch ab- und in wesentlichen Teilen umzuschreiben, um es zu veröffentlichen. Doch ein gesunder professioneller Vorbehalt und die Tatsache, dass ihr die Schreiberin, Felicitas Haechmanns, als Phantom erscheint, hätte sie vor diesem Unternehmen warnen sollen, denn die großartige Geschichte von Felicitas ist so großartig, dass sie in ihr Leben eingreift. So taucht beispielsweise immer wieder Felicitas‘ Krafttier, ein Pumaweibchen, in ihrer Umgebung auf und die Geschichte des Mädchens ist mit all ihren kleinen und großen Katastrophen schon an sich eine Herausforderung harter, mysteriöser und besonderer Art.

Motivation: Wann und wie kam die Idee zu diesem konkreten Projekt?
Die Idee für den Felicitasroman kam mir, als ich von einem Spaziergang durch meine niederrheinische Heimat zurückkehrte (nicht Tannhuysen, denn das ist eine Erfindung), mir den Kopfhörer aufsetzte und Mercedes Sosa, Las manos de mi madre (Die Hände meiner Mutter) gehört habe. Felicitas hat übrigens ein Faible für alles Handwerkliche und für die Beobachtung von Händen.

Auf meinem Blog befasse ich mich mit der Frage, wie man ein Buch bloggen kann. Enthalten sind aber nicht nur Artikel mit Informationen zum Thema Buchbloggen, ich begleitet auch die Entstehung des Felicitas-Romans. Es gibt Blogs zum genannten Thema und es gibt Romane, die zumindest teilweise in einem Blog veröffentlicht werden. Aber die Kombination aus beiden Elementen ist mir noch nie begegnet. Die Idee kam mir, weil ich 2008 unter die Blogger gegangen bin, weil ich immer dachte, dass Blog und Buch gut zusammen passen, sich ergänzen und weil ich im Jahr 2011 bei meinem ersten Blogbuch gescheitert bin. Dann habe ich mich immer wieder mit dem Thema befasst, englischsprachige Literatur und Romanansätze gefunden, wurde inspiriert, am Thema zu bleiben. Aber zufrieden war ich mit der Ausbeute nicht und bin schließlich auf die Verbindung von Blog und Buch gekommen, die ich seit März 2013 verfolge.

Bewerbung: Wie gehst Du mit Reaktionen auf Deine Buchprojekte um?
Konstruktive Kritiken bleiben, werden nach reiflichem Nachdenken beantwortet und gehen in die Arbeit ein. Kritik in Form von heißer Luft oder Pöbelei wird gelöscht. Wer mich konstruktiv kritisiert, inspiriert oder lobt, bekommt auf jeden Fall eine Antwort. Das kann aber dauern, denn ich merke zwar ziemlich schnell, ob ich wirklich etwas mit den Argumenten anfangen kann, aber bei mir dauert die Umsetzung schon was länger. Ich bin nicht schnell beleidigt, aber ich lasse mich nicht drängen, wenn es um die Umsetzung und die Reaktion geht. Ich weiß natürlich, dass man, wenn man sich so verhält, schnell als kritikunfähig missverstanden wird.

Austausch: Wer sind Deine Ansprechpartner rund um Deine Buchprojekte?
Die Lektorin, die meinen ersten Roman herausbringen will und Freunde waren bislang meine ausschließlichen Gesprächspartner. Doch seit dem Start meines Blogs zum Buchbloggen kommen allmählich andere Autoren dazu.

Gretchenfrage: Wie hältst Du es mit Social Media Aktivitäten und passen Buch und Social Web zusammen?
Social Media und Bücher passen zusammen. Man kann kurz und bündig zwitschern, was es Neues gibt, was man getan hat. Ich merke schon, dass Leser zumindest ab und zu über die sozialen Medien zu meinem Blog finden und ich habe über diese Publikationsform auch Kontakte zu anderen Autoren gefunden. So ist auch dieses Interview über einen Twitterkontakt zustande gekommen.

Eigenwill: Welche Frage müsste ich Dir unbedingt stellen? Und was würdest Du darauf antworten?
„Wie bleibt man dem Schreiben treu, wenn man nach vier Jahrzehnten immer nur mit falschem Lob,  Allgemeinplätzen  oder Vertröstungen abgespeist wird?“

Ich habe festgestellt, dass man eine einfache Tätigkeit so gern haben kann, dass man sie um ihrer selbst willen so oft wie möglich tut.

Und so geht es direkt zur Autorin:

http://texthaseonline.com

Leseprobe aus: „Blogbücher als eigenständige Publikationsform“

In den ersten Artikeln der Buchbloggerei war schon häufiger die Rede davon, dass Blogbücher in wesentlichen Teilen so zu bearbeiten sind, wie andere Texte, die zu einem Buch werden sollen. So sollte man auf jeden Fall einen sorgfältigen Arbeitsplan erstellen, der während der gesamten Arbeit als Grundlage dienen kann. Es gibt aber durchaus Aspekte, die dazu beitragen, dass Blogbücher ein eigenständiges Buch- und Publikationsformat sind. Zu diesen Aspekten gehört z.B., dass der Autor nicht nur regelmäßig schreibt, sondern auch kontinuierlich veröffentlicht, dass das Schreiben des Buches zeitlich näher an das Leserfeedback heranrückt und dass die Arbeitsoberfläche und die angebotenen Tools der Blogsysteme genau auf diese Mischung von Blogartikeln und leserfreundlichen Funktionen eingerichtet sind. Autoren, die sich einmal an ein Blogsystem gewöhnt haben, können ganz einfach ohne weitere fachmännische Unterstützung schreiben und veröffentlichen. Wer publiziert, möchte auch wahrgenommen werden. Blogs bieten über die  Ausdrucksformen des Schreibens hinaus auch zahlreiche Möglichkeiten an, andere Medien wie Audiodateien oder Filme einzufügen. So können Autoren beispielsweise Interviews in ihr Blogbuch einstellen, die sie zum gewählten Thema oder verwandten Fragestellungen geführt haben. Und wenn man das, was Blogbücher mit der Arbeit an anderen Büchern gemeinsam haben und die speziellen Aspekte der Arbeit an Blogbüchern bei der Erstellung des eigenen Blogprojekts aufeinander und auf das Blogbuch abstimmt, ist das sicher schon ein Teil des Erfolges für das Blogprojekt.

Blog: http://texthaseonline.com

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