3, 2, 1 … Los geht’s! Eröffnung der Interview-Reihe mit der Autorin Patricia Koelle

Als die Berliner Autorin Patricia Koelle von meiner druckstelle-Idee hörte, sagte sie sofort zu. Dies ist nun vier Wochen her und ich freue mich, Patricia Koelle als erste Autorin in meinem Blog für kleine und große Buchprojekte vorstellen zu dürfen. Ihre ‚Kurzbiografie‘ hat mich so beeindruckt, dass ich Euch diese nun noch vor dem eigentlichen Interview zeigen möchte. Doch lest selbst…

Patricia Koelle: Ich wurde 1964 in Huntsville/Alabama, USA geboren. Ein Jahr später zogen wir nach Berlin, wo ich zweisprachig aufwuchs und heute mit meinem Mann immernoch lebe. Das Leben in der geteilten Stadt war so verrückt, dass ich manchmal denke, es führte zwangsläufig zum Schreiben. Meine Eltern und ich haben damals eine Wanderung um Berlin (West) herum gemacht, immer an der Mauer entlang, jeden Sonntag ein Stück. Es war beeindruckend.

Nie vergessen werde ich eine Stelle, wo Schrebergärtner widerrechtlich, aber geduldet ihre Gärten bis an die Mauer ausgedehnt hatten. Warum die Mauer nicht benutzen, wenn sie schon da stand, und das kostenlos? Berliner denken praktisch. Einer schlug kurzerhand Nägel in die Mauer und hängte ordentlich nebeneinander seine Geräte daran auf – Hacke, Harke, Spaten, Besen. Das war nicht nur praktisch und ein „Ätsch!“ in Richtung der bewaffneten Grenzsoldaten und ihrer Wachtürme, nur ein paar Zentimeter entfernt, im kahlen Todesstreifen auf der anderen Seite.

Das war eine ganze Lebensphilosophie, die ich mir zu eigen gemacht habe. Wenn sich dir ein Problem in den Weg stellt, mach das Beste daraus und nutze es. Hänge deine Geräte daran auf und mach dich an die Arbeit. Wenn mal wieder niemand Bücher kaufen will, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass vielleicht wenigstens ein Leser vorbeikommt und eine meiner Geschichten wahrnimmt, so wie ich damals diese Harke an der Berliner Mauer.

Später machte ich Praktika beim Fernsehen, in einer Galerie, in einer Klinik für schwerstbehinderte Kinder, in Altersheimen und Kitas, studierte Sozialpädagogik an der Freien Universität und arbeitete nach dem Diplom als Familien- und Schulhelferin. Überall wimmelte es von ungeschriebenen Geschichten. Als ich meinen schwerbehinderten Mann kennenlernte, gab ich den Beruf auf, um ihn zu pflegen und ihm bei seiner Heimarbeit zu assistieren. Seitdem habe ich etwas Zeit zum Schreiben und hatte das Glück, durch gewonnene Schreibwettbewerbe einen Verlag zu finden.

Mein Arbeitsplatz
Patricia Koelles Arbeitsplatz (Privatfoto)
Zu meinem Arbeitsplatz gibt es zwei Dinge zu sagen: Er ist nie aufgeräumt, solange ich an einem größeren Projekt arbeite (was beinahe immer der Fall ist). Der alte Sekretär stammt von meinem Ur-Urgroßvater Benjamin Erfurth, der daran auch schon ein Buch geschrieben hat.

Mich inspiriert das Wissen, dass sowohl er als auch mein Urgroßvater, meine Großeltern und meine Mutter in verschiedenen Lebensphasen daran gearbeitet haben. Die vielen Schubladen enthalten unsichtbar ihre Erfahrungen, Träume und Erinnerungen aus so vielen Zeiten und Generationen. So bin ich beim Schreiben nie allein, sondern werde von der Gegenwart freundlicher Geister beflügelt.

Mehr über die Autorin erfahrt Ihr gleich und sofort auf ihrem Blog:
NEU: http://meerschreibfrau.wordpress.com
zuvor: http://verschenkbuecher.wordpress.com

Morgen gibt es dann Patricia Koelles Antworten auf meine Fragen zu lesen. Die Autorin – die schreibt, weil sie nicht anders kann und will – gibt einen wundervollen Einblick in ihr Leben und Arbeiten am Schreibtisch in Berlin. Patricia Koelle spricht dabei konkret über ihr aktuelles Buch „Das Meer in deinem Namen“, in welchem sie versucht „das Gespenst einer alten Liebe endgültig zur Ruhe zu betten“. hier…