Heute schon geboogelt? Januskopf der digitalisierten Bibliothek

Die Buchsuche des Schwerenöters Google verführt mich immer wieder zur Unmoral. Allein die Idee, alle Bücher der Welt in einer digitalen Bibliothek zu versammeln… Yeah! Größenwahn oder Weitblick? Geschätzte 130 Millionen Bücher kämen so unter den Scanner. Wenn sich Google mit seinen Buch-Staubsaugern beeilen würde, könnte ich die sogar alle noch lesen! Zum Glück ist dies nur eine Dystopie. Alles Wissen seit Gutenberg in einem Konzern vereint, ohne die Urheber auch nur zu fragen, nein Freunde der Weisheit, so geht es nicht. Der Ton macht die Musik! Mephisto lauert immer und überall: Den Bibliotheken fehlt das Geld, um wertvolle Bestände vor dem Zerfraß zu retten, Google zahlt alles und feiert sich als Mäzen des Wissens. Faustisches Verhängnis.

http://www.bib.uni-wuppertal.de/open-access/rechtsfragen.html

Nun zur Utopie: Was bedeutet die eingeschränkte (!) Vorschaufunktion nun eigentlich für deren geistige Eigentümer, was halten Autorinnen und Autoren von diesem Komplott? Angenommen, es gäbe da keine Bevormundung und jeder könnte selbst entscheiden, was online zu lesen ist und was nicht. Zwischenfrage: Können Autorinnen und Autoren darüber entscheiden, in welchen Bibliotheken ihre Bücher stehen und wie viele darauf Zugriff haben, wer fotokopiert und wer es sich im Buchladen zum Dauerverweilen gemütlich macht? Nicht grundlos und nicht umsonst wurde einst VG Wort ins Leben gerufen. Profitieren Autorinnen und Autoren nicht auch von der allgemeinen Zugänglichkeit ihrer Werke? Das papierne Buch hat doch selbst einen Mehrwert, der mehr ist, als ein Digitalisat. Wäre der Mega-Verwalter unseres geistigen Gutes ein neutraler Verweser mit gemeinnützigem gesellschaftlichen Anspruch, ich persönlich hätte nichts dagegen.  So habe ich noch kein Buch nicht gekauft, weil ich es in der Vorschau probelesen konnte – ganz im Gegenteil.